Negativbilanz: Es werden zu wenig Sozialwohnungen gebaut

100.000 neue Sozialwohnungen jährlich: Das ist das erklärte Ziel der Ampel-Koalition – und das wurde im vergangenen Jahr erneut verfehlt, berichtet die Bundesregierung. In der Pflicht sind die Länder. Die haben ihren Job unterschiedlich gut gemacht.

Es werden immer weniger statt mehr Sozialwohnungen in Deutschland: Ende 2022 gab es bundesweit rund eine Million Wohnungen für Menschen mit kleinen Einkommen – das sind rund 14.000 weniger als im Jahr 2021, heißt es in der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Fraktion, die der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt. Neu gebaut wurden demnach 22.545 Sozialwohnungen.

Die Ampel-Koalition hatte angekündigt, pro Jahr für 100.000 neue Sozialwohnungen sorgen zu wollen. Eine negative Bilanz ergibt sich trotz des Neubaus, da rund 36.500 Preisbindungen 2022 ausliefen, wie die Wohnungspolitik-Expertin der Linken, Caren Lay, feststellte. Das Geld kommt vom Bund, bauen müssen die Länder – und hier ist die Entwicklung unterschiedlich.

Bundesländer mit mehr Sozialwohnungen

So gab es etwa in Hessen einen Zuwachs von knapp 1.700 auf 82.172 Sozialwohnungen. In Hamburg stieg die Zahl nach einem Rückgang in den Vorjahren um rund 600 auf 81.006 Sozialwohnungen. Den umfangreichsten Neubau in dem Bereich gab es in Bayern mit 4.056 bewilligten Neubaumaßnahmen im Bereich der Mietwohnungsförderung und in Baden-Württemberg mit 3.898 solcher Maßnahmen.

Entgegen dem bundesweiten Trend ist die Zahl der Sozialwohnungen in Sachsen-Anhalt in den vergangenen Jahren gestiegen. 2022 gab es landesweit 5.070 geförderte Wohnungen. Im Vorjahr sind 612 Wohnungen weniger gezählt worden. 2020 gab es in Sachsen-Anhalt nur 3.373 der geförderten Wohneinheiten. Auch in Sachsen stieg die Zahl der Sozialwohnungen: 2022 gab es im Freistaat insgesamt 12.541 Wohnungen, ein Jahr zuvor waren es 458 Wohnungen weniger. 2020 gab es in Sachsen laut dem Bericht insgesamt 11.904 Sozialmietwohnungen.

In Hessen belief sich der Sozialwohnungsbestand Ende 2022 auf 82.172  – das sind den Angaben zufolge 1.657 Sozialwohnungen mehr als im Jahr 2021. Auch beim Neubau hat Hessen zugelegt: Im vergangenen Jahr sind 1.505 Sozialwohnungen neu entstanden. Im Jahr zuvor waren es 1.367. Im Saarland gab es Ende 2022 mit 759 Wohnungen für Menschen mit kleinen Einkommen 66 mehr als Ende 2021.

Sozialwohnungen: Deutlicher Rückgang in Berlin

Viele Länder haben allerdings einen teils deutlichen Rückgang zu verzeichnen. So sank die Zahl der Sozialwohnungen in Niedersachsen um knapp 2.600 auf 52.601 und in Berlin um rund 4.500 auf 104.757 neue Wohnungen. Neu bewilligt wurde in der Hauptstadt der Bau von 1.935 staatlich geförderten Wohnungen. Zum Vergleich: Noch 2020 gab es in Berlin 111.964 Sozialwohnungen. Die schwarz-rote Koalition in Berlin will jährlich 5.000 Sozialwohnungen bauen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte deutlich mehr Sozialwohnungen in Rheinland-Pfalz. Im vergangenen Jahr habe es nur noch 39.200 Sozialwohnungen im Land gegeben, sagte die Landesvorsitzende Susanne Wingertszahn der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. Das entspreche einem Rückgang im Vergleich zum Jahr 2011 von 45 Prozent.

Spitzenreiter bei den Zahlen an Sozialwohnungen

Die meisten Sozialwohnungen insgesamt verzeichneten Nordrhein-Westfalen (NRW) mit 435.025, Bayern mit 133.129 sowie Berlin. Spitzenreiter gemessen an der Einwohnerzahl waren Hamburg (4.281 pro 100.000 Einwohner), Berlin (2.790) und NRW (2398).

Der Bestand an Sozialwohnungen schrumpft aber auch in NRW weiter. Neu gebaut wurden in NRW 3.631 Sozialwohnungen. Das sind 853 weniger als ein Jahr davor. Die Zahl der neuen Wohnungen reichte nicht aus, die aus der Preisbindung fallenden Wohnungen zu ersetzen. Der Bestand sank von Ende 2021 bis Ende 2022 um 7.270 auf 435.025, heißt es in der Antwort der Bundesregierung. Die Zahl ist seit Jahren rückläufig.

Immer weniger Sozialwohnungen statt mehr

Die Zahl der Sozialwohnungen nimmt seit Jahren ab. Gab es in der alten Bundesrepublik noch fast vier Millionen Sozialwohnungen, waren es 2010 nur noch rund 1,6 Millionen und 2020 nur noch rund 1,1 Millionen. Die Mieten sind bei Sozialwohnungen staatlich reguliert. Für den Bau gibt es staatliche Zuschüsse oder vergünstigte Darlehen. Dafür gilt befristet eine gedeckelte Miete.

Wohnen dürfen dort nur Menschen, bei denen die Behörden einen besonderen Bedarf sehen. Nach einer bestimmten Zeit können die Wohnungen allerdings normal am Markt vermietet werden. Die Dauer dieser Bindung ist in den Ländern unterschiedlich geregelt.

Kritik an Ampel-Wohnungspolitik

Die Linken-Abgeordnete Lay warf der Ampel ein krachendes Scheitern der Wohnungspolitik vor. „Der Tiefstand beim sozialen Wohnungsbau beim Neubau und im Bestand ist angesichts ungebremst steigender Mieten und zunehmender Wohnungsnot höchst alarmierend“, sagte Lay der dpa.

Sie forderte unter anderem ein öffentliches Wohnungsbauprogramm und ein Sondervermögen für bezahlbares Wohnen. Mindestens 20 Milliarden Euro müssten pro Jahr in den Bereich fließen. Die IG Bau hatte zuletzt ein Sondervermögen von 50 Milliarden für den Bau von Sozialwohnungen gefordert.

Forderungen an die Bundesregierung

Der Bau-Experte der Unionsfraktion, Ulrich Lange (CSU), forderte den Bund auf, Grundstücke anzukaufen, um sie verbilligt an Kommunen für den sozialen Wohnungsbau abzugeben. Stefan Körzell, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbunds, sagte: „Der historische Tiefstand an Sozialwohnungen muss ein Weckruf für die Bundesregierung sein.“ Er verlangte ein Sofortprogramm für den Bau: Die Neubauförderung solle erhöht, „realistische“ Effizienzstandards sollten gesetzt und Erleichterungen bei der Grunderwerbssteuer umgesetzt werden.

Die Bundesregierung hat im Haushaltsentwurf 2024 eine Erhöhung der Zuschüsse für den sozialen Wohnungsbau auf rund 3,1 Milliarden Euro angekündigt, ab 2025 bis 2027 sollen es jährlich 3,5 Milliarden sein. Eingebrochen ist in diesem Jahr aber nicht nur der Bau günstiger Wohnungen.

Bundesregierung: Entwicklung des sozialen Wohnungsbaus

Quelle: www.haufe.de

Neuer Rekord bei Stornierungen im Wohnungsbau

Mehr als jede fünfte Firma berichtete im Oktober von abgesagten Projekten, jedes zehnte Unternehmen hat Probleme mit der Finanzierung – die Lage im Wohnungsbau verschärft sich weiter, wie aktuelle Zahlen des Ifo-Instituts zeigen.

Die Auftragslage im deutschen Wohnungsbau wird immer schlechter. Im Oktober berichtete knapp die Hälfte (48,7 Prozent) der Unternehmen von Auftragsmangel, wie das Münchner Ifo-Institut am 6. November mitteilte. Das sind noch einmal 2,1 Prozentpunkte mehr als im September (46,6 Prozent).

Der Anteil der Firmen, die unter Stornierungen leiden, stieg auf den neuen Höchstwert von 22,2 Prozent, das ist ein Plus von 0,8 Prozentpunkten gegenüber dem Vormonat. Das Geschäftsklima verharrt saisonbereinigt mit minus 54,7 auf einem extrem schlechten Niveau.

Wohnungsbau: Schwaches Neugeschäft

„Es wird immer schlimmer, mehr und mehr Projekte scheitern am gestiegenen Zinsniveau und den teuren Baupreisen“, sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen. Das Neugeschäft im Wohnungsbau sei weiterhin sehr schwach, die Auftragsbestände der Firmen dabei abzuschmelzen. Etwa jeder zweite Betrieb leide mittlerweile unter einem Auftragsmangel und es würden jeden Monat mehr, betonte der Experte.

Für einige werde die Situation wirtschaftlich bedrohlich, jedes zehnte Unternehmen melde Finanzierungsschwierigkeiten. Und schnelle Besserung ist nicht in Sicht: „Der Ausblick für den Wohnungsbau bleibt finster, die Unternehmen stimmen sich auf harte Zeiten ein“, so Wohlrabe. Die Erwartungen der Unternehmen notierten im Oktober laut Ifo bei außerordentlich schlechten minus 63,9 Punkten.

Quelle: Haufe.de

Projektentwickler in der Eigenkapitalklemme

Projektentwickler haben während der Niedrigzinsphase eine Reihe goldener Jahre erlebt. Diese fanden mit dem Anstieg von Inflation und Zinsen ein jähes Ende. Entsprechend schrumpfte auch die Finanzierungsbereitschaft von Banken und alternativen Kreditgebern. Ein Lagebericht.

Wie rau das Marktumfeld für die Projektentwicklerbranche geworden ist, belegt etwa der aktuelle Development Monitor des Beratungsunternehmens Bulwiengesa: 40 Prozent des gesamten Entwicklungsvolumens werden mindestens ein Quartal später fertiggestellt als Ende 2022 vorgesehen. Bei den Baubeginnen beträgt der Wert 31 Prozent. Insgesamt sind die Baustarts von Wohn- und Gewerbeprojekten in den ersten beiden Quartalen 2023 gegenüber den Vergleichszeiträumen der beiden Vorjahre etwa um die Hälfte zurückgegangen.

Developments: Erste Entwickler melden Insolvenz an

Wenn es möglich ist, verschieben Entwickler neue Developments, was sich auch bei den entsprechenden Finanzierungsanfragen bemerkbar macht. Und im Bau befindliche Entwicklungen müssen unter den aktuellen Rahmenbedingungen neu aufgestellt werden.

Potenzielle gewerbliche Käufer setzen weiterhin auf fallende Preise und halten sich mit Transaktionen zurück, während viele Projektentwickler sich weiter an den ursprünglich avisierten Exit-Preisen orientieren, damit ihre Kalkulation auch in Zeiten gestiegener Kosten aufgeht. Ähnliches gilt für Käufer von Eigentumswohnungen. Sie hoffen ebenfalls auf weiter sinkende Preise beziehungsweise sind wegen der stark gestiegenen Finanzierungskosten darauf angewiesen, zu niedrigeren Preisen zu kaufen, um sich die Immobilie überhaupt leisten zu können.

In dieser Gemengelage haben bereits erste Entwickler Insolvenz anmelden müssen. Und ein Ende der Krise ist nicht in Sicht: Die Europäische Zentralbank (EZB) reagiert weiterhin mit Zinserhöhungen auf die hartnäckige Inflation.

Anschluss- und Brückenfinanzierungen werden teurer

Bei den Immobilien ist die Preisfindungsphase noch immer nicht abgeschlossen. Zwar beginnt der Markt allmählich, sich an diesen Zustand zu gewöhnen. Dennoch wird die Zahl der Transaktionen in nächster Zeit allenfalls leicht zunehmen.

Ausbleibende Transaktionen und Verzögerungen am Bau bedeuten aber nicht, dass die Projektentwickler keinen Finanzierungsbedarf hätten – im Gegenteil. Bereits begonnene Projekte müssen Developer trotz stark gestiegener Baukosten in der Regel fortsetzen und benötigen dafür finanzielle Mittel, etwa Überbrückungskredite. Für auslaufende bestehende Kredite sind Anschlussfinanzierungen nötig, die mit dem stark gestiegenen Zinsniveau nun deutlich teurer werden. In einigen Fällen besteht die Notwendigkeit, trotz widriger Umstände neue Projekte in Angriff zu nehmen, etwa wenn Fördermittel – etwa von der KfW –  involviert sind, die sonst verfallen würden.

Viele Projektentwickler bekommen in der aktuellen Situation kein zusätzliches Fremdkapital mehr von Banken und brauchen daher frisches Eigenkapital.

Eigenkapitalspritze mit Gewinnbeteiligung und Mitsprachrecht erkaufen

Gestiegenes Risiko und Finanzregulatorik haben bei gewerblichen Immobilienfinanzierern die Anforderungen an Höhe und Qualität von Eigenkapital gesteigert und die Beleihungsausläufe sinken lassen. Hinzu kommt, dass häufig die Werte der besicherten Immobilien sinken. Wenn eine Anschlussfinanzierung ansteht, kann dann weniger Fremdkapital gewährt werden, weil die Loan-to-Values sonst viel zu hoch ausfallen würden.

Insgesamt sind Entwickler sehr viel stärker mit einer Eigenkapital- als mit einer Kreditklemme konfrontiert. Gelingt es ihnen, weiteres „echtes“ Eigenkapital nachlegen zu können, steigen die Chancen auf Fremdkapital erheblich. „Gekauftes“ Eigenkapital in Form von Mezzanine wird dagegen kaum noch akzeptiert.

Mögliche Wege der Kapitalbeschaffung sind derzeit zum einen die Hereinnahme von sogenanntem Preferred Equity. Das ist eine eigenkapitalähnliche Struktur mit bevorzugter Verzinsung. Bei der Besicherung rangiert Preferred Equity nach der Bank, aber vor dem „echten“ Eigenkapital. Zum anderen können Entwickler einen Joint-Venture-Partner an Bord holen oder bei Neuentwicklungen von vornherein mit anderen Developern zusammenarbeiten und das notwendige Eigenkapital gemeinsam aufbringen. Bei diesen Lösungen müssen Projektentwickler allerdings den Gewinn teilen und den neuen Eigenkapitalgebern Mitspracherechte einräumen.

Gewinner der Krise: Mittelständler mit Regionalbezug

Sowohl Eigenkapital als auch Fremdkapital gewähren die Geldgeber nur für Projekte, die eine Chance haben, auch in der heutigen Marktlage Gewinne abzuwerfen. Für die Finanzierer ist dabei das jetzige Mietniveau ausschlaggebend, nicht die Erwartung auf eine eventuelle Mietsteigerung. Projekte, die Nachhaltigkeitskriterien außer Acht lassen, sind mittlerweile nicht mehr finanzierbar.

Insgesamt führen das Marktumfeld und die Finanzierungssituation zu einer Marktbereinigung in der Projektentwicklerbranche. Zu den bisherigen Insolvenzen werden einige weitere hinzukommen. Am besten durch die Krise kommen eigenkapitalstarke Entwickler, vor allem kleine und mittelständische regionale Akteure, die den Markt genau kennen und die etablierte Geschäftsbeziehungen zu lokalen Bauunternehmen haben. Hier zeigen sich auch die regionalen Banken finanzierungsbereit.

Wie immer in anspruchsvollen Marktlagen steigt der Beratungsbedarf. Auf der einen Seite brauchen Projektentwickler einen Überblick über den Eigen- und Fremdkapitalbedarf und wie sie diesen am besten decken. Auf der anderen Seite müssen sich Kapitalgeber mit Bereichen auseinandersetzen, mit denen sie kaum noch zu tun hatten und vielleicht auch Personal weitgehend abgebaut haben: notleidende Kredite und Restrukturierung.

L’Immo-Podcast mit Francesco Fedele: Neue Wege in der Projektentwicklung

Quelle: www.haufe.de

Plan: Degressive Afa von sieben Prozent beim Wohnungsbau

Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) schlägt neue Steueranreize für den Wohnungsneubau vor. Die degressive AfA soll ab Januar 2024 temporär auf sieben Prozent erhöht werden.

„Angesichts des dramatischen Einbruchs bei den Baugenehmigungen und damit verbunden dem Rückgang der Bauinvestitionen in diesem Jahr brauchen Bau- und Immobilienwirtschaft dringend neue Investitionsanreize“, sagte Bundesbauminsterin Klara Geywitz (SPD) am 2. August. Sie will mit erweiterten steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten für Neubauten einen Anreiz schaffen, dass Bauvorhaben zügig umgesetzt werden.

Steueranreiz: Degressive AfA befristet bis 2030

Geywitz schlägt die Einführung einer befristeten degressiven AfA (Absetzung für Abnutzung) für neue Wohngebäude ab Januar 2024 vor, wie aus einem Papier hervorgeht, über das zuerst „The Pioneer“ berichtete. Gelten soll das bis Ende 2030. Im Jahr der Fertigstellung und in den folgenden drei Jahren sollen jeweils sieben Prozent der Baukosten abgeschrieben werden können – in den folgenden vier Jahren sollen es fünf Prozent sein und in den 26 Jahren danach zwei Prozent. Im Moment sind es dem Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA) zufolge in der Regel drei Prozent.

Abschreibung: Zustimmung aus der Immobilienbranche

„Die zeitlich befristete, degressive AfA wäre ein wichtiger Beitrag, die Bauwirtschaft zu stabilisieren und damit mehr bezahlbaren Wohnraum in Deutschland zu schaffen“, sagte Geywitz. „Wenn die deutsche Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs kommen will, geht das nur mit einer starken Baukonjunktur.“ Die degressive AfA bilde auch die Realität besser ab. In neuen Gebäuden verbaute Technik werde oft innerhalb weniger Jahre überholt. Dadurch verlieren laut Geywitz Gebäude zu Anfang schneller an Wert.

Aus der Immobilienwirtschaft kam Zustimmung. „Dieser Vorstoß könnte genau die Impulse bringen, die den daniederliegenden Wohnungsbau reanimieren“, sagte ZIA-Präsident Andreas Mattner. Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB), begrüßte den Schritt, forderte aber weitere Hilfen wie eine Aussetzung der Grunderwerbsteuer. Und: Für einen wirklichen Effekt sollte der Energieeffizienzstand „EH 40“ zumindest temporär nicht mehr Ultima Ratio bei der Förderung sein, so Pakleppa. „EH 55“ als Förderstandard würde Bauherren und Investoren mit weniger Steuergeld zum Bau von mehr Wohnungen anregen.

Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbands der Wohnungswirtschaft GdW forderte zudem die Einführung einer Sonderabschreibung für Unternehmen, die Mietbegrenzungen garantieren und so bezahlbaren Wohnraum anbieten oder für den Bau von Mitarbeiterwohnungen.

Wachstumschancengesetz: Milliardenschweres Steuerpaket

Die Vorschläge der Bauministerin sind Teil des geplanten Wachstumschancengesetzes von Finanzminister Christian Lindner (FDP), der die Wirtschaft mit einem Steuerpaket um jährlich rund sechseinhalb Milliarden Euro entlasten will. Der Entwurf ist in der Regierung noch nicht abgestimmt. Sie unterstütze den Vorschlag des Ministers, sagte Geywitz, es gebe jedoch eine Lücke.

Die FDP reagierte allerdings verhalten. „Über die Finanzierung muss sich Ministerin Geywitz mit dem Kabinett und Finanzminister Lindner verständigen“, sagte der baupolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Daniel Föst. Bezahlbarer Wohnraum sei die soziale Frage der Zeit. „Dafür ist nicht nur der Finanzminister zuständig.“ Ein Sprecher des Finanzministeriums sagte, für die im Entwurf des Wachstumschancengesetzes beschriebenen Maßnahmen sei in der Finanzplanung Vorsorge getroffen. Für weitere Maßnahmen wären Gegenfinanzierungen notwendig.

Quelle: www.haufe.de

Optimistischer Ausblick: Wohnungsbau belebt sich 2024 wieder

Der Wohnungsbau war zuletzt eine Bremse für den Hochbau, das wird in diesem Jahr auch so bleiben, heißt es in einem Report von EY-Parthenon. Doch es macht sich Optimismus breit. Ab 2024 erwarten die Bauunternehmen wieder Wachstum.

Bei der Krise im Wohnungsbau ist ab dem kommenden Jahr Besserung in Sicht, heißt es in der EY-Parthenon-Hochbauprognose 2023, die am 2. August veröffentlicht wurde. Bis dahin sieht es weiter mau aus. Die enorm gestiegenen Zinsen und Materialkosten machen die Finanzierung von Bauprojekten schwierig. Die historisch hohen Baupreise dürften sich aber normalisieren, hieß es.

EY-Parthenon erwartet, dass der gesamte Hochbau in Deutschland 2023 erstmals seit Jahren kräftig schrumpft. Das preisbereinigte Bauvolumen wird demnach um 2,6 Prozent auf rund 301 Milliarden Euro sinken – etwas weniger als vor der Corona-Pandemie. 2024 werde das Bauvolumen dann stagnieren und im Jahr 2025 wieder um 1,9 Prozent wachsen.

Dabei stütze der hohe Bedarf an energetischen Sanierungen – beim Heizungstausch oder bei der Installation von Photovoltaikanlagen – die Baubranche.

Wohnungsbau in der Krise: Wachstum prognostiziert

Für den Wohnungsbau sehen die Studienautoren für 2023 einen kräftigen Rückgang von 3,1 Prozent, der sich ab 2024 „langsam, aber stetig zu einem positiven Wachstum entwickeln wird“. „Wir glauben, dass sich der Einbruch im Wohnungsbau 2024 nicht fortsetzt“, sagt Volkmar Schott, Partner bei EY-Parthenon. Baukosten und Kreditzinsen dürften sich normalisieren und die Politik im Notfall einschreiten – mit mehr Neubauförderung oder neuen Abschreibungsmöglichkeiten am Bau.

Insbesondere der jahrelang boomende Wohnungsbau ist wegen des starken Zinsanstiegs bei Krediten ins Stocken geraten – das belastet die Baukonjunktur. Der Zentralverband der Deutschen Bauwirtschaft (ZDB) erwartet für dieses Jahr preisbereinigt ein Umsatzminus von rund sieben Prozent. Wegen hoher Kosten werden laut Ifo-Institut viele Projekte storniert. Verbände der Bau- und Wohnungswirtschaft erwarten, dass dieses Jahr nur 245.000 Wohnungen fertig werden. Im Jahr 2022 waren es noch rund 295.000 Wohnungen.

Prognose: Baupreise stabilisieren sich

Bauherren dürften laut EY-Parthenon unterdessen vor etwas besseren Zeiten stehen. Die Baupreise, die im vergangenen Jahr zwischen 16 und 18 Prozent in die Höhe gingen, dürften sich laut Studie an die Inflation angleichen – aber nicht sinken. Rasant steigende Preise für Baudienstleistungen ließen sich nicht mehr durchsetzen, meint EY-Partner Björn Reineke. Doch Baumaterialien blieben teuer.

Die Studie sieht Hebel für mehr Effizienz, kürzere Bauzeiten und weniger Kosten auf Baustellen, etwa mit digital optimierten Prozessen, seriellem Bauen und industriell vorgefertigten Bauteilen. Bis zu 15 Prozent mehr Wohneinheiten pro Jahr seien möglich bei bis zu zehn Prozent Kostenersparnis. Ein Vorbild sei Schweden. Dort würden vorgefertigte Holzelemente etwa neunmal so oft eingesetzt wie hierzulande. „Einige schwedische Firmen können so innerhalb von acht Tagen zirka 30 neue Wohnungseinheiten bereitstellen“, so Reineke.

Studie: Maßnahmen für kostengünstigen Wohnraum

Vor allem in Großstädten und Ballungsräumen hat sich der Mangel an bezahlbaren Wohnungen zuletzt verschärft – nicht zuletzt wegen steigender Kosten, Fachkräftemangel, Materialknappheit und langwierigen Genehmigungsverfahren. Eine beim Fraunhofer-Informationszentrum Raum und Bau IRB vom Bundesinstituts für Bau-, Stadt und Raumforschung (BBSR) beauftragte Querschnittsstudie zeigt, wie die Baukosten in den Griff zu bekommen sind.

Als Beispiele werden die Vereinfachung, Flexibilisierung und Harmonisierung des Bauordnungsrechts genannt, ebenso die Verbreitung von Standardisierung, serielles und modulares Bauen oder auch eine Vereinfachung (digitaler) integrierter Planungs-, Ausführungs- und Genehmigungsprozesse.

An Wissen darüber, welche Faktoren dazu beitragen, Bau- und Wohnkosten in die Höhe zu treiben, mangelt es nicht, fasst Studienautorin Sabine Blum vom Fraunhofer IRB zusammen: „Was jedoch noch immer fehlt, ist die breitenwirksame Umsetzung von theoretisch Bekanntem in der Gestaltung von politischen und regulatorischen Rahmensetzungen und in der Planungs- und Baupraxis.“ Diese Umsetzungsdefizite gelte es zu überwinden.

ZDB: Konjunkturprognose 2023

EY-Parthenon „Hochbauprognose 2023“ (Download)

Fraunhofer IRB: Studie zu Maßnahmen für kostengünstig-nachhaltigen Wohnraum (PDF)

Quelle: www.haufe.de

Insolvenzwelle droht Bauindustrie: „Der Wohnungsbau ist im freien Fall“

Die Zahlen sehen eigentlich gut aus: Im Vergleich zum April verzeichnet das Baugewerbe im Mai mehr Aufträge. Mit einem Aufwärtstrend hat das aber wenig zu tun. Vielmehr befürchtet die Branche einen starken Rückgang – der erst im Herbst seinen Höhepunkt erreichen wird.

Das Baugewerbe hat im Mai mehr Aufträge als im April verzeichnet – das lag aber an zwei Arbeitstagen mehr. Im Vergleich zum Mai des vergangenen Jahres gingen die Aufträge weiter zurück, und zwar preis- und kalenderbereinigt um 5,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie konstatierte: „Der Abwärtssog hat den Bau fest im Griff.“ Demnach steigen die Insolvenzen in der Branche.

Laut Statistik stieg der Auftragseingang von April bis Mai preisbereinigt um 3,5 Prozent. Das habe den Einbruch am Bau aber nicht aufhalten können, so die Bauindustrie. Im Zeitraum Januar bis Mai gingen die Aufträge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum preisbereinigt um 14,7 Prozent zurück.

Zwar lebten die Unternehmen noch von ihren Auftragsbeständen, aber spätestens im Herbst dürfte sich die Lage weiter verschärfen, warnte der Hauptgeschäftsführer der Bauindustrie, Tim-Oliver Müller. Schon jetzt sei die Branche von einem deutlichen Anstieg der Zahl der Insolvenzen betroffen. In den ersten vier Monaten hätten 437 Unternehmen des Bauhauptgewerbes Insolvenz anmelden müssen, rund 20 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Hohe Bauzinsen, anhaltende Inflation

Betroffen sind demnach überwiegend Unternehmen im Neu- und Rohbau. „Der Wohnungsbau ist nach wie vor im freien Fall“, erklärte Müller. In den ersten fünf Monaten seien hier rund 32 Prozent weniger Aufträge vergeben worden.

„Hohe Bauzinsen, anhaltende Inflation und sinkende Förderbudgets verengen den finanziellen Handlungsspielraum potenzieller Bauherren und Investoren“, erläuterte der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB). Noch zehrten die Unternehmen von den Auftragsbeständen der Vorjahre. „Ein Drittel der Unternehmen berichtet aber im Wohnungsbau schon jetzt über Auftragsmangel.“

ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa nannte die Entwicklung einen „Weckruf an die Politik“. „Ein positives Signal an Häuslebauer, Investoren und die Bauwirtschaft ist jetzt so wichtig wie lange nicht mehr“, etwa eine höhere Darlehensgewährung und höhere Zinsstütze durch die KfW-Bank, ein reduzierter Mehrwertsteuersatz oder die Möglichkeit, dass die Länder die Grunderwerbssteuer bis auf null reduzieren können. Bund und Ländern stehe eine Reihe von Instrumenten zur Verfügung. „Es muss was geschehen für den Wohnungsbau.“

Quelle: ntv.de, cls/AFP

Wohnungsbau-Krise: Kommt das dicke Ende erst noch?

Deutschland gehört zu den Staaten mit dem stärksten Rückgang beim Wohnungsbau in Europa, wie Forscher berechnet haben. Immer mehr Unternehmen geraten in Bedrängnis – selbst konkret geplante Projekte werden gestoppt. Dabei spielt auch die Förderung eine Rolle.

Dramatisch veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen durch hohe Baukosten, gestiegene Zinsen und schärfere Anforderungen an die Nachhaltigkeit halten immer mehr Unternehmen vom Wohnungsbau ab. Deutschland gehört zu den europäischen Staaten mit den stärksten Rückgängen, wie Berechnungen der Forschergruppe Euroconstruct zeigen, zu der auch das Ifo-Institut gehört: In 19 untersuchten Ländern erwarten die Experten im Jahr 2025 einen Saldo von knapp 1,6 Millionen Wohnungsfertigstellungen – das wäre ein Rückgang um 14 Prozent im Vergleich zu 2022, während hierzulande das erwartete Minus mit 32 Prozent mehr als doppelt so groß ist.

Für Deutschland prognostizierte das Münchner Institut bereits im Juni die Fertigstellung von 200.000 Wohnungen für das Jahr 2025. Zum Vergleich: 295.000 waren es im vergangenen Jahr. Warum einzelne Länder bei der Entwicklung besser oder schlechter abschneiden, kann laut Ifo-Bauexperte Ludwig Dorffmeister viele Ursachen haben: Neben der abrupten Zinswende, dem Kostensprung für Bauleistungen und der allgemeinen Verunsicherung bei Bauherren und Käufern über die mittelfristige Entwicklung der Immobilienpreise, spielt auch die Förderung eine Rolle.

Euroconstruct „Europäisches Bauvolumen wird bis 2024 moderat schrumpfen“

Unternehmen: Auch bezahlbarer Wohnraum steht auf der Kippe

Das Düsseldorfer Immobilienunternehmen LEG, zweitgrößter Vermieter in Deutschland, teilte bereits Ende 2022 mit, auf die diversen Krisen mit einer „hohen Kostendisziplin“ reagieren zu wollen: Projektentwicklungen würden gestoppt und Investitionen im Wohnungsbestand minimiert. Der größte deutsche Wohnungskonzern Vonovia kündigte im Februar 2023 an, in diesem Jahr kein neues Wohnungsbauprojekt starten zu wollen – wegen der Zinsen und der hohen Inflation, hieß es. Im Juli schließlich gab einer der größten Player am Münchener Markt, die Sedlmayr Grund und Immobilien AG, bekannt, dass ein Neubauprojekt mit 800 Wohnungen gestoppt wird. Als Grund wurden hohe Baukosten und teure Zinsen genannt, wie unter anderem die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete.

Laut einer aktuellen Umfrage wollen mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Wohnungsunternehmen und Genossenschaften in Rheinland-Pfalz wegen der schwierigen Marktbedingungen Neubauprojekte zurückstellen – bereits konkret geplante Neubauprojekte würden gestoppt. 40 Prozent der Firmen wollen derzeit grundsätzlich keine Neubauplanungen mehr weiterverfolgen. Auch hier wurden als Hauptgründe die gestiegenen Baukosten und Zinsen, aber auch Lieferengpässe und die unerwartete Änderung von Förderprogrammen angeführt. Befragt wurden die 63 rheinland-pfälzischen Mitglieder des Verbands der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Rheinland Westfalen und des Verbands der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft.

Quelle: Haufe.de

Grün auf Dach und an Fassade: Was Städte fordern und fördern

Starkregen, Hochwasser, Hitze und Trockenheit – das Begrünen der Städte wird gefordert und gefördert, um sie vor den Folgen des Klimawandels zu schützen. Welche Lösungen gibt es?

Ob Fassaden, Dächer oder Freiräume. Vertikal, horizontal oder beides. Mit Solaranlagen, Regenwas-sermanagement, neuartigen Pflanzen, Substraten und Technologien. Das Begrünen der Städte wird gefordert und gefördert, um sie vor den Folgen des Klimawandels zu schützen. Hitze, Wassermangel, trocken Böden machen vor allen Ballungsgebieten zu schaffen. Immer mehr Zuzug, mehr Verdich-tung, versiegelte Flächen, und daher weniger Grün verschärfen die Lage.

Experten aus 29 Ländern haben Ende Juni 2023 auf dem „Weltkongress Gebäudegrün“ in Berlin Lösunen diskutiert.

Klimaneutralität beim Bauen und Betreiben von Immobilien

Christoph Ingenhoven, der mit seinem Team die grüne Fassade und die Dächer der „Calwer Passage“ in Stuttgart plante, stellte in seinem Impulsvortrag seine Haltung zum Thema „supergreen“ dar. Er formulierte dabei Parameter für Klimaneutralität beim Bauen und Betreiben von Immobilien. Dabei solle der Erde diejenige Biokapazität, die durch Bauen zunächst weggenommen wird, über Gebäude zurückgegeben werden. Mit „Extracurricular“ benannte er unter anderem einen Parameter, um die Folgen der Klimaerwärmung mittels resilienter Gebäude aufzufangen.

Der Präsident vom Bundesverband Gebäudegrün(BuGG), Gunter Mann, hob hervor: Nie seien Dach-, Fassaden- und Innenraumbegrünungen so präsent gewesen wie heute. Und noch nie hätten so viele deutsche Städte die Begrünungen mit Zuschüssen gefördert oder hätten je so viele verschiedene Forschungsprojekte dazu stattgefunden. Allein 20 Städte in Deutschland weisen bereits 15 Millionen Quadratmeter Gründachbestand aus, zitierte er aus dem bei dem Event vorgestelltem „BuGG Markreport Gebäudegrün 2022“. Allen voran Stuttgart, Hamburg, München und Berlin. Es gibt demnach deutschlandweit kaum noch eine Stadt ohne ein spezielles Grünprogramm.

Wie sieht es mit der Förderung von Gebäudegrün aus?

Im vergangenen Jahr förderten 121 Städte Initiativen für das Anlegen von Gründächern und 94 Städte Maßnahmen für Fassadengrün. Als größtes und europaweit einmaliges Vorzeigeobjekt gilt nach wie vor der „Kö-Bogen II“ in Düsseldorf. Hier bilden 30.000 Pflanzen eine fantastische Gebäudehülle. Allgemeiner Tenor: Von solchen kreativen Projekten brauchte es noch viel mehr.

Seit 2014 zielt deshalb die Hansestadt Hamburg in ihrer „Gründachstrategie“ darauf ab, mindestens 70 Prozent der Neubauten und für die Sanierung geeignete Dächer zu begrünen. Bis Ende 2024 werden dafür dreieinhalb Millionen Euro Fördermittel zur Verfügung gestellt. Bis Ende Juni 2023 wurden etwa 325 Anträge gestellt und 94.000 Quadratmeter Dachbegrünung bewilligt. Auch Fassadenbegrünung werden seit dem Jahr 2020 gefördert. Die Gründachfläche in Hamburg ist seitdem um 800.000 Quadratmeter gewachsen.

Gründach-Index: Wo es gut läuft und welche Stadt nachsitzen muss

Im BuGG-Gründach-Index liegt Stuttgart (Baden-Württemberg) mit 4,1 Quadratmeter nGründach pro Einwohner auf Platz eins. Deutschlandweit beträgt der Wert durchschnittlich gerade einmal bei 1,1 Quadratmetern. Weit vorn befindet sich auch München (Bayern) mit insgesamt 3.148.043 Quadratmetern Gründach: Auf dem „Werksviertel Mitte“ grasen sogar Schafe, leben Hühner, zwei Hasen sowie sechs Bienen- und zwei Ameisenvölker. In Hochbeeten gedeihen Gemüse und Wildblumen. 2.500 Quadratmeter Grün in 24 Metern Höhe – ein Paradebeispiel. Verwirklicht von Wohnungswirtschaft, Stadtwerken und Privatinvestoren.

Zwingendend Handlungsbedarf sehen die Stadtväter von Frankfurt am Main (Hessen) und präsentieren sich mit dem Programm „Frankfurt frischt auf“. Mehr Grün steht hier als Forderung für jeden Neubau und jede ungenutzte Fläche. Um bis zum Jahr 2035 klimaneutral zu werdeb, wurde ein Klimareferat gegründet. Ähnlich dringend ist es in Dresden (Sachsen) angesichts überhitzter Stadtgebiete, Wassermangels, Überschwemmungen, Baumsterbens, trockener Böden und verdorrter Wiesen. Die Stadt mit dem bislang wenigsten Grün auf den Dächern und an Fassaden plant eine Begrünungspflicht. Es gibt rund 144.000 Gebäude mit 20,3 Millionen Quadratmetern Dachfläche. Davon sind nur 1.358 Häuser auf dem Dach begrünt. Über die Hälfte davon sind privat finanziert.

Deshalb beteiligte sich Dresden am Forschungsprojekt „Heat Resilient City“ des Bundes: Die Hitzeanpassung von Stadtquartieren stand hier im Fokus. Auch Erfurt (Thüringen) macht mit.

Bei all den Initiativen wurde auf dem „Weltkongress Gebäudegrün“ dennoch deutlich: Um die Folgen des Klimawandels zu mildern, braucht es weitaus mehr Maßnahmen und Projekte mit größerer Vision zum Klimaschutz, mehr Konsequenz beim Begrünen von Dächern und Fassaden. Denn diese fehlen noch in großem Maßstab – nicht nur in Deutschland, sondern in allen großen Städten dieser Welt.

Mehr Natur in der Stadt: Projekte vom Bund gefördert

Die Bundesregierung hat im Jahr 2019 den „Masterplan Stadtnatur“ für mehr Grün verabschiedet. Eine zentrale Maßnahme aus dem Programm wurde vor zwei Jahren umgesetzt: Gefördert werden innovative Ansätze für mehr biologische Vielfalt in Städten und Gemeinden. Die Förderrichtlinie mit dem Schwerpunkt Stadtnatur wurde Ende Juli 2021 veröffentlicht. Voraussetzung ist, dass die Kommunen den Anteil an Grün- und Freiflächen im Siedlungsbereich erhöhen und ein ökologisches Grünflächenmanagement einführen.

Dazu gehören unter anderem die Gestaltung und Pflege der Flächen, die Verwendung von gebietseigenem Saat- und Pflanzgut, der Erhalt von Alt- und Biotop-Bäumen sowie der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel und chemische Dünger. Zur Umsetzung der Ziele werden außerdem die Erstellung und Umsetzung kommunaler Strategien zur biologischen Vielfalt oder auch der Einsatz von Biodiversitätsmanagern gefördert.

Quelle: Haufe.de

In Hamburg darf Bauland ab 2025 höher besteuert werden

In Hamburg dürfen ab Januar 2025 Grundstücke, die vom Eigentümer aus spekulativen Gründen nicht bebaut werden, mit einem erhöhten Steuersatz belegt werden – der Grundsteuer C. Das soll Anreize für den Wohnungsbau schaffen und Bodenspekulation erschweren.

Am 1.1.2025 tritt in den Bundesländern die novellierte Grundsteuer in Kraft – für landwirtschaftliche Flächen (Grundsteuer A) und für alle anderen bebauten und bebaubaren Grund­stücke (Grundsteuer B). In Hamburg sollen die Bezirke künftig einen deutlich erhöhten Hebesatz für unbebaute, baureife Grundstücke (Grundsteuer C) festlegen dürfen. Die Eckpunkte stellte Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) am 18. Juli vor.

Das Regelungskonzept wurde zuvor mit Kammern und Verbänden erörtert; auf dieser Basis soll im Rahmen des Hebesatzgesetzes die Grundsteuer C im Grundsteuerrecht verankern werden.

Für wen gilt die Grundsteuer C in Hamburg?

„Die Grundsteuer C ist ein weiterer Baustein unserer Anstrengungen, alle Wohnungsbaupotenziale zu nutzen“, sagte Dressel. Um soziale Härten zu vermeiden und die Treffgenauigkeit zu erhöhen, wird eine Regelung zur wirtschaftlichen Unzumutbarkeit und Grundstücksvorhaltung für Angehörige eingeführt. Adressaten sind Spekulanten, „nicht die Oma, die ein Grundstück zur Bebauung für ihre Enkel zurückhält“, so der Minister.

Die Grundsteuer C wird für das gesamte Stadtgebiet erhoben, aber in der Regel nur für wirtschaftliche Einheiten, auf denen Mehrfamilienhäuser mit drei oder mehr Wohnungen gebaut werden könnten. Das entspricht laut Dressel einer potenziellen Geschossfläche von mehr als 300 Quadratmetern pro Einheit. Eine Besteuerung von rein gewerblichen, industriellen oder dem Gemeinbedarf dienenden wirtschaftlichen Einheiten sowie Einheiten für Einfamilienhäuser sieht das Gesetz nicht vor.

Für unbebaute wirtschaftliche Grundstücke, für die ein Bebauungsplan aufgestellt wird, durch den erstmals Baurecht für Wohnungen geschaffen wird, soll eine Sperrfrist von drei Jahren für die Erhebung der Grundsteuer C ab Feststellung des Bebauungsplans gelten. So sollen negative Folgen für Eigentümer von unbebauten Grundstücken vermieden werden, wenn die das Grundstück bebauen wollen, aber nicht abschließen können (Fachkräftemangel, Baustoffengpass) oder das Grundstück noch nicht nutzungsgerecht vermarkten konnten.

Grundsteuer C kommt auch in Baden-Württemberg

Der Landtag von Baden-Württemberg stimmte am 22.12.2021 im Rahmen der Grundsteuerreform in der im „Gesetz zur Änderung des Landesgrundsteuergesetzes und zur Einführung eines gesonderten Hebesatzrechts zur Mobilisierung von Bauland“ enthaltenen Grundsteuer C zur Besteuerung von Bauland zu. Weiterer Flächenverbrauch im Außenbereich könne so vermieden und Nachverdichtung gezielter angegangen werden, hieß es aus dem Finanzministerium.

Jede Kommune soll ab dem 1.1.2025 selbst entscheiden, ob sie die Grundsteuer erheben will. Entscheidet sich eine Stadt oder Gemeinde dafür, macht sie das in einer Allgemeinverfügung bekannt. Städtebauliche Erwägungen müssen begründet und das Gemeindegebiet, auf das sich der Hebesatz beziehen soll, inklusive der betreffenden baureifen Grundstücke, benannt werden.

Streit um Grundsteuer C: Gegenwind aus der Immobilienbranche

Die Grundsteuer C gab es schon einmal in Deutschland: Erhoben wurde sie in den Jahren 1961 und 1962 und kurz darauf wieder abgeschafft, da sich das Angebot an Grundstücken dadurch nicht erhöht hatte. Eine Wiedereinführung ist äußerst umstritten.

Der frühere SPD-Bauminister von Nordrhein-Westfalen und seit Ende November 2018 Präsident des Deutschen Verbandes für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung (DV), Michael Groschek, kämpft seit Jahren für eine höhere Besteuerung von Brachflächen – und hat sich immer wieder auch mit der Immobilienbranche angelegt.

Michael Groschek im L’Immo-Podcast: (Kein) Plädoyer für Privatisierung staatlicher Leistungen

Vehemente Kritik kam hingegen immer wieder aus der Immobilienbranche. In einem Positionspapier des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) sind Gegenargumente zur Grundsteuer C formuliert. Genannt wird explizit das in einer solchen Regelung enthaltene Konfliktpotenzial sowie die Gefahr einer bürokratischen Überlastung, da im Vorfeld einer Bebauung langwierige Verfahren mit den Genehmigungsbehörden oder Streit mit der Verwaltung nicht ausgeschlossen werden könnten.

Der Steuerzahlerbund hat die geplante Besteuerung von Bauland im Vorfeld der Grundsteuerreform heftig kritisiert. Die Grundsteuer C stehe mit einer gerechteren Besteuerung nicht im Einklang, erklärte der damalige Verbandschef Zenon Bilaniuk. „Denn ohne Rücksicht auf die Einkommenssituation oder die persönlichen Verhältnisse werden Eigentümer von unbebauten Grundstücken mit einem extremen Anstieg der Grundsteuerbelastung konfrontiert.“

Quelle: Haufe.de

Hauseigentümer wollen energetisch sanieren – aber nicht so!

Wer eine Immobilie verkaufen will, verdient mehr, wenn sie energetisch up to date ist – trotzdem ist die Gebäudesanierungsrate eingebrochen. Dabei ist das Gros der Vermieter bereit für Heizungstausch & Co., wie eine Umfrage zeigt. Verbände fordern ein Klimakonjunkturpaket.

Die Politik hat ambitionierte Klimaschutzpläne für den Gebäudesektor. Verschiedene Gesetze auf europäischer und auf nationaler Ebene sind in Arbeit und werden teils heftig diskutiert – allen voran die Novelle des Gebäudeenergiegesetzes (GEG), bekannt auch als Heizungsgesetz. Dabei spielt auch die Frage eine Rolle, was für Immobilieneigentümer und Wohnungsvermieter wirtschaftlich und sozial zumutbar ist. Energetische Sanierungen sind teuer.

Heizungstausch und Dämmung: Das planen Vermieter von Wohnungen

Eine Online-Umfrage des Energiedienstleisters Techem von Mai 2023 zeigt: Die große Mehrheit der Vermieter (94 Prozent der 50 teilnehmenden geschäftlichen und 76 Prozent der 200 teilnehmenden privaten) plant energetische Sanierungen. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) der geschäftlichen Vermieter hat konkrete Maßnahmen im Blick: Überwiegend soll die Heizungsanlage ausgetauscht (64 Prozent) oder optimiert (57 Prozent) werden. Die Dämmung von Fassaden plant knapp ein Drittel (64 Prozent) und Dachdämmungen 61 Prozent. Jeder Vierte will in eine Photovoltaikanlage investieren.

Bei den privaten Wohnungsvermietern haben 29 Prozent konkrete Pläne. Hier liegt die Installation von Photovoltaik auf Platz ein (58 Prozent), vor dem Austausch von Heizungsanlagen (53 Prozent) und der Dämmung von Fassaden (46 Prozent) sowie Dächern (40 Prozent).

Motive für energetische Sanierungen: Energie und Kosten sparen

Techem hat die Vermieter auch gefragt, warum sie sich für die Sanierungsmaßnahmen entschieden haben: Energieeinsparung (58 Prozent der gewerblichen Vermieter und 53 Prozent der privaten) und die Einsparung damit verbundener Kosten (48 Prozent) wurde am häufigsten genannt – noch vor klassischen Anreizen wie Werterhalt (42 Prozent geschäftlich versus 41 Prozent privat) oder Wertsteigerung (38 Prozent geschäftlich versus 37 Prozent privat).

Als mit Abstand größte Hürde wird laut Techem der hohe finanzielle Aufwand bewertet – das geben zwei Drittel der Befragten an (66 Prozent geschäftlich versus 64 Prozent privat). Außerdem ist der Bedarf an Informationen zu energetischen Sanierungen und an Beratung hinsichtlich geeigneter Maßnahmen für die eigene Immobilie sowie zu den komplexen rechtlichen Vorgaben enorm. Das gaben in der Umfrage 80 Prozent der geschäftlich und rund 60 Prozent der privaten Vermieter an.

Sanierung: Ist die CO2-Kostenaufteilung ein Anreiz?

Die seit dem 1.1.2023 geltende Kostenaufteilung der CO2-Abgabe zwischen Mietern und Vermietern wirkt sich laut Techem positiv auf die Sanierungsbereitschaft von Vermietern aus: 73 Prozent der geschäftlichen und 65 Prozent der privaten Vermieter sehen die Neuregelung als Anreiz für energetische Sanierungen. 39 Prozent (geschäftlich) und 41 Prozent (privat) der Vermieter bewerten den Effekt als „stark“ bis „sehr stark“. Datengrundlage hier ist eine Online-Umfrage, die im November 2022 stattgefunden hat. Teilgenommen haben 100 gewerbliche und 400 private Vermieter.

Als Allheilmittel wird die Neuregelung zur Kostenaufteilung der CO2-Abgabe aber nicht verstanden: Mehr als die Hälfte der von Techem befragten Vermieter schätzt die Gefahr einer finanziellen Belastung als hoch ein (privat: 56 Prozent, geschäftlich: 53 Prozent).

Deutsche-Bank-Analyse: 100.000 Euro für Sanierung pro Wohnhaus

Die Wärmewende im Gebäudebereich könnte für viele Hauseigentümer zur Kostenfalle werden, wie eine Analyse der Deutschen Bank zeigt: Allein die Wohnimmobilienkunden des Instituts müssten in heutigen Preisen gerechnet rund 80 Milliarden Euro für Renovierungsarbeiten aufwenden, um das Eigenheim nachhaltig zu sanieren, heißt es da.

Die Kosten für die Sanierung eines einzelnen Wohnhauses könnten 100.000 Euro übersteigen, um die höchste Energieeffizienzklasse A im Energieausweis (EPC) zu erreichen, so das Institut. Zwei Drittel der Privatkunden dürften den Angaben der Deutschen Bank zufolge in der Lage sein, entsprechende Sanierungen und Energieeffizienzmaßnahmen zu finanzieren. Der Rest der Kunden wird auf zusätzliche finanzielle Hilfen angewiesen sein. Bis 2045 schätzt die Bank den Finanzierungsbedarf für energetische Sanierungen von Wohnimmobilien in Deutschland auf rund 600 Milliarden Euro.

Deutsche-Bank-Bericht „Residential Real Estate – Leading to Net Zero“ (engl.)

Makler: Preise für unsanierte Immobilien fallen

Aus Sorge vor hohen Investitionskosten sieht laut einer Umfrage von ImmoScout24 und YouGov derzeit knapp jeder vierte Deutsche vom Immobilienkauf ab. Eine Analyse der auf dem Maklerportal inserierten Angebote zeigt indessen: Für unsanierte Immobilien werden deutlich geringere Preise bezahlt als für energieeffiziente Immobilien.

In den kreisfreien deutschen Städten sinken die Angebotspreise für schlecht sanierte Immobilien bis zu acht Prozent. Immobilien der Energieeffizienzklassen A und B sind nahezu preisstabil: Zwischen Mai 2022 und Mai 2023 ist der durchschnittliche Angebotspreis demnach von 5.341 Euro auf 5.302 pro Quadratmeter und damit nur um 0,7 Prozent (39 Euro) gesunken. Das Minus in den Klassen C und D fällt mit knapp 600 Euro pro Quadratmeter (minus acht Prozent) am deutlichsten aus. In den niedrigen Effizienzklassen E bis H sinken die Angebotspreise um 5,2 Prozent. Da diese Immobilien auf einem niedrigeren Niveau angeboten werden, ist der Spielraum für Preissenkungen weniger groß. „Sobald die Sanierungskosten im Verhältnis zum Vermarktungswert unwirtschaftlich werden, werden die Angebotspreise für unsanierte Immobilien auch auf dem Land deutlich nachgeben“, prognostiziert Dr. Gesa Crockford, Geschäftsführerin von ImmoScout24.

Für die Auswertung wurden alle Anzeigen von Häusern und Wohnungen mit einem Baujahr bis 1990, die im Mai 2022 beziehungsweise Mai 2023 bei ImmoScout24 inseriert waren, analysiert.

Heizungsgesetz: Verbände warnen vor Einbruch bei Gebäudesanierungen

Verbraucher- und Klimaschutzverbände – darunter bislang keine aus der Immobilien- und Wohnungswirtschaft – warnen die Bundesregierung und den Bundestag vor den Folgen des umstrittenen Heizungsgesetzes. „Wir sind tief besorgt über die aktuellen Einbrüche bei der Gebäudesanierungsrate“, heißt es in einem am 19.7.2023 veröffentlichten Brandbrief.

Sie verweisen auf Zahlen des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA): Demnach halbierte sich im April, Mai und Juni die Zahl der Anträge für eine Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresmonat. Auch ein massiver Einbruch bei Sanierungen von Gebäuden und dem Absatz von Wärmepumpen sei zu verzeichnen.

Durch die fehlende Nachfrage drohten Entlassungen von Fachkräften – aber auch das Erreichen der Klimaziele und der soziale Frieden seien in Gefahr. Hohe Heizkostenrechnungen träfen Haushalte mit geringen Einkommen in schlecht modernisierten Häusern besonders hart. Die 15 Verbände fordern dringend ein Gegensteuern seitens der Politik. Parlament und Regierung müssten noch in diesem Sommer ein Klimakonjunkturpaket für den Gebäudesektor auflegen. Darüber hinaus brauche es ein Sanierungsprogramm für öffentliche Gebäude.

Die Pläne der Regierung für das Heizungsgesetz hatten für heftige Diskussionen gesorgt, weil Eigentümer bei der Umstellung auf klimafreundliche Heizsysteme große finanzielle Belastungen befürchten. Anfang Juli 2023 hat das Bundesverfassungsgericht die geplante Verabschiedung des Gesetzes im Bundestag in einem Eilverfahren gestoppt. SPD, Grüne und FDP wollen das Gesetz als nun nach der Sommerpause Anfang September beschließen.

Quelle: Haufe.de